01_Feuer.JPG02_Feuer.JPG03_Feuer.JPG04_Feuer.JPG05_Wasser.JPG06_Wasser.JPG07_Wasser.JPG08_Wasser.JPG09_Wasser.jpg10_Wasser.JPG11_Wasser.JPG12_Wasser.JPG13_Wasser.JPG14_Wasser.JPG15_Wasser.JPG16_Wasser.JPG17_Wasser.JPG19_Wasser.JPG20_Steine.JPG21_Steine.JPG22_Bergkette.JPG24_Fels.JPG26_Steinhaus.JPG27_Tuer.JPG28_Weg.JPG29_Moewe.JPG

Die Bremer Stadtmusikanten – eine Erlösungsgeschichte

… und was sie mit Jesus, Siegfried, Moses und Patanjali zu tun hat

Dass eine Parallele besteht zwischen dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“, den Yoga-Aphorismen des Patanjali, der Nibelungensage, der Leidensgeschichte von Jesus und dem Mythos von Moses mag auf den ersten Blick nicht einleuchten. Riskiert man ein paar Blicke mehr, sieht die Sache anders aus. Analysiert man das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ in seinen groben Zügen, offenbart es sich als Erlösungsgeschichte. Damit erhalten die Bremer Stadtmusikanten nicht nur eine tiefere spirituelle Bedeutung, sondern auch einen Bezug zu den eingangs erwähnten Schriften. Doch der Reihe nach:

Vier Haustiere lösen sich aus ihrer vertrauten Umgebung, um dem Tod zu entgehen und schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen, in der ihnen Erstaunliches gelingt. Wie bei allen Märchen und Mythen, so kann man auch hier die Akteure der Handlung als seelische Kräfte deuten, die in uns schlummern. Im Beispiel der Bremer Stadtmusikanten schlummern diese Kräfte so tief, dass sie nahe dran sind, für immer zu entschlafen.

Um welche seelischen Kräfte handelt es sich?

Inhaltsverzeichnis:

Wofür stehen die Bremer Stadtmusikanten?
Warum die 4 Bremer Stadtmusikanten 1 Yoga-Schüler/-Meister sind
Die 4 Eigenschaften der Bremer Stadtmusikanten
Was tun die Bremer Stadtmusikanten in Bremen?
Warum Bremer Stadtmusikanten?
Die spirituelle Reise der Bremer Stadtmusikanten
Das neue Zuhause der Bremer Stadtmusikanten
Die Bremer Stadtmusikanten und Patanjali
Die Bremer Stadtmusikanten und Moses
Die Bremer Stadtmusikanten und Jesus
Die Bremer Stadtmusikanten und Siegfried

Wofür stehen die Bremer Stadtmusikanten? 

Auf der Suche nach einer Antwort würde ich hier eher nicht in antiken Quellen forschen, sondern mir vergegenwärtigen, welche Rolle diese vier Haustiere in unserem Kulturkreis über viele Jahrhunderte spielten. Ihre Bedeutung für unsere Vorfahren war so eminent, prägnant und zentral, dass es m. E. wenig Sinn macht, nach anderen Deutungsmöglichkeiten zu suchen.

Der Esel

Der Esel galt als der Lastenträger schlechthin. Ein Arbeitstier, das für seine Sturheit bekannt war und das man immer wieder antreiben musste, damit es sich vorwärts bewegt. Überträgt man diese Charaktereigenschaften auf die menschliche Psyche, dann steht der Esel symbolisch für den störrischen SEELENARBEITER in uns, der immer wieder angetrieben werden muss, damit er unseren inneren Schweinehund überwindet und unser Schicksal geduldig erträgt. Er steht für die seelische Arbeit, die wir an uns selbst verrichten, um uns vorwärts zu entwickeln.

Der Hund

Der Hund hatte die Aufgabe, Hof, Haus und Gut zu bewachen. Er lag an der Kette und achtete darauf, dass nur erwünschte Besucher den Hof und das Haus betraten. Ungebetene Gäste hielt er fern. Er steht somit für die Fähigkeit, unliebsame Einflüsse der Außenwelt nicht in die Innenwelt unserer Seele zu lassen. Er ist der aufmerksame SEELENWÄCHTER.

Die Katze

Macht man sich bewusst, wie unsere Vorfahren ihre Lebensmittelvorräte lagerten, dann wird klar, dass auch die Katze eine eminent wichtige Bedeutung für unsere Urahnen hatte. Ohne Katze hätte vermutlich so manche Familie den Winter nicht überlebt. Während der Hund darüber wachte, dass keine großen Diebe ins Haus kamen, sorgte die Katze für die Beseitigung der vielen kleinen Diebe (Ratten/Mäuse), die über die Lebensmittelvorräte her fielen. Sie eliminierte also die schädlichen Einflüsse, die bereits im Haus und auf dem Hof waren. Somit steht die Katze symbolisch für das Aufspüren schlechter Einflüsse, die bereits in uns aktiv sind. Man könnte auch sagen, sie ist verantwortlich für die Seelenhygiene, weshalb ich sie als SEELENREINIGERIN bezeichne.

Der Hahn

Bevor unsere Großväter und –mütter Wecker kannten, war es der Hahn (neben der Sonne), der den neuen Tag ankündigte. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr rief er am Morgen – bildlich gesprochen: "Aufstehen! Bewegt euch! An die Arbeit!" Regelmäßig – im Rhythmus des Sonnenlaufs - setzte er Impulse und gab unseren Vorfahren immer wieder Anstöße, um aktiv zu werden. Der Hahn ist sozusagen der SEELENWECKER, der uns regelmäßig antreibt und für die rhythmische Wiederholung unserer seelischen Arbeit sorgt.

Menschen, die sich in Raja-Yoga oder Zazen üben, ist es vielleicht schon aufgefallen:

Die vier Bremer Stadtmusikanten spiegeln seelische Aktivitäten wider, die für Raja-Yoga und Zazen elementar und charakteristisch sind.

Die Bremer Stadtmusikanten – 4 Tiere, 1 Yoga-Schüler/-Meister

Die Herleitung des Wortes Yoga von Joch lässt bereits auf eine Affinität zu einem klassischen Arbeitstier schließen. Im Fall der Bremer Stadtmusikanten ist es ein Esel, der als seelischer Lasterträger fungiert. Diese Arbeit wird begleitet durch Konzentration, das Fesseln der Aufmerksamkeit auf einen Punkt, das Aussperren unliebsamer Störungen und das Hereinlassen vorher festgelegter Außenreize. Symbolisch drückt sich dies aus in dem Hund, der an der Kette liegt und wachsam die Ein- und Ausgänge bewacht. Die Katze symbolisiert neben der Seelenhygiene auch die Introspektion, das Ergründen aller Schlupfwinkel unserer Psyche, ohne die die Seelenhygiene nicht möglich wäre. Und der Hahn sorgt schließlich für die Regelmäßigkeit der Übung, für die immer wieder neuen Anstöße, weiter zu übern. Und zwar auch dann, wenn man eigentlich zu bequem ist, sich aufzuraffen. Somit können die Bremer Stadtmusikanten in ihrer Einheit einen Yoga-Schüler oder –Meister symbolisieren.

Zusammengefasst stehen die vier Tiere der Bremer Stadtmusikanten (im Einzelnen) für:

1. Spirituelle Arbeit & Selbstüberwindung (Esel)
2. Konzentration & Kontrolle (Hund)
3. Introspektion & Selbsterkenntnis (Katze)
4. Regelmäßigkeit & Wiederholung (Hahn)

Was tun die Bremer Stadtmusikanten in Bremen?

Die Frage beantwortet sich bereits im Märchen selbst. Sie tun dort nichts, denn sie kommen nie an. Es ist nur ihr Ziel, nach Bremen zu gelangen. Warum ausgerechnet nach Bremen?

Der Name "Bremen" leitet sich ab von "Brem" und bedeutet so viel wie: an den Rändern. Der Rand begrenzt etwas, fasst etwas ein, er ist das Äußerste von irgendetwas.
Die Bremer Stadtmusikanten gehen also bis zum Äußersten, bis an ihre Grenzen. Und zwar in dem, was sie gemeinschaftlich tun. Da das "bis an die Grenzen Gehen" kein einmaliger Akt ist, sondern ein fortwährendes Streben, können sie auch nie in Bremen ankommen. Genau wie im Yoga oder Zen geht es um beständige Selbstüberwindung (Überwindung der eigenen Grenzen), ohne dabei ein Endziel im Auge zu haben. Handeln ohne zu handeln lautet das Motto. Denn der Weg ist das Ziel.

Warum sind es die Bremer Stadtmusikanten und nicht die Bremer Gaukler oder Scherenschleifer?

Wenn in esoterischen Kreisen von spiritueller Entwicklung die Rede ist, hört man oft Begriffe wie "Einklang" oder "Harmonie". Körper und Geist, oder auch irgendwelche Seelenkräfte, sollen in Einklang gebracht werden und in Harmonie schwingen – so sagt man. Das heißt, das Zusammenspiel ursprünglich widerstreitender Kräfte (Die vier Bremer Stadtmusikanten vor ihrem Aufbruch) lässt sich besonders gut veranschaulichen durch eine Musikgruppe. Je besser ihr Zusammenspiel ist, desto wohlklingender das musikalische Werk. 

Die spirituelle Reise der Bremer Stadtmusikanten – durch den Wald und durch die Nacht

Auf ihrem Weg nach Bremen – oder anders: auf dem Weg zu ihren Grenzen – müssen die Bremer Stadtmusikanten durch einen Wald und dort die Nacht verbringen. Sowohl der Wald als auch die Nacht können für das Reich des Unbewussten stehen. Der Wald ist ein Ort, wo man sich leicht verirren kann – so wie man sich auf seinem spirituellen Weg durch das Dickicht der eigenen Psyche verirren kann. Die Nacht ist auch eine Zeitspanne, in der Bilder der Seele sichtbar werden (Traum), die am Tag vom Licht des Bewusstseins überstrahlt werden (Sonne). Die Nacht ist eine Phase des Rückzugs nach innen. Im Schlaf ist man alleine mit sich und seiner Innenwelt. Man ist auf sich selbst zurückgeworfen und seinen Träumen ausgeliefert. Der Wald und die Nacht haben einen Bezug zum Rückzug aus der Welt des Alltags. Dies verbindet beide mit der Wüste, die spirituelle Sucher durchwandern müssen, um zu sich selbst zu gelangen (siehe Moses!). Und genau diese Selbstfindung drückt sich auch im Märchen der Bremer Stadtmusikanten aus, wenn die viere Tiere im Wald und in der Nacht ihr neues Zuhause finden.

Die Bremer Stadtmusikanten finden ihr neues Zuhause

Als die Bremer Stadtmusikanten im Wald übernachten, erspäht der Hahn ein Licht. Diesmal aber nicht das Licht der Sonne (wie üblich), sondern ein kleines Licht in der Dunkelheit. Ein Lichtblick! Sie folgen dem Licht und gelangen zu einem Haus, in dem Räuber wohnen. Das Haus steht in der Traumsymbolik sowohl für den eigenen Körper als auch für das seelische Zuhause. Man könnte auch sagen, für die geistige Welt, in der man sich eingerichtet hat. Dieses seelische Zuhause ist von Räubern okkupiert, die erst einmal vertrieben werden müssen, bevor man das Haus bewohnen kann. Folglich stehen die Räuber für alle geistig-seelischen Inhalte, die uns unseren seelischen Lebensraum rauben. Von diesen Räubern gilt es, sich zu befreien. Genau das tun die vier Bremer Stadtmusikanten und finden damit ihr neues Zuhause. Aus den vier zunächst separat vor sich hin vegetierenden Seelenkräften ist eine Einheit entstanden, in der jeder Einzelteil sich erneuerte und verjüngte. Die alten und ursprünglich nicht mehr lebenstauglichen Geschöpfe wurden zu kraftvollen Gestaltern ihres Schicksals, indem sie die Initiative ergriffen und über sich selbst hinauswuchsen (Bremen = an den Rändern).

Was haben die Bremer Stadtmusikanten mit Patanjali zu tun?

Die Frage dürfte sich beantwortet haben. Der Verfasser der Yoga-Aphorismen beschreibt ebenfalls einen spirituellen Weg der Befreiung. Und zwar mittels Yoga, das, wie ich erläutert habe, einen deutlichen Bezug hat zum Märchen der Bremer Stadtmusikanten. Regelmäßige Übung, Disziplin, seelische Arbeit, Gedankenkontrolle, spirituelle Reinigung – all das sind wesentliche Elemente des Yoga und auch unseres Märchens.   

Was haben die Bremer Stadtmusikanten mit Moses tun?

Auch Moses ist ein Befreier. Betrachtet man das Volk Israel als seelische Einheit – also stellvertretend für den spirituell Suchenden – dann beschreibt der Auszug des Volkes aus Ägypten die Loslösung von der Fremdbestimmung (Fremdherrschaft). Auch die Bremer Stadtmusikanten waren vor ihrem Aufbruch fremdbestimmt. Das Volk Israel (der spirituell Suchende) hat ein Ziel: das gelobte Land. Es steht für die neue Seelenheimat, die erst gefunden werden muss – genau wie die Bremer Stadtmusikanten ihr neues Zuhause finden müssen. Und der Weg dorthin ist entbehrungsreich und schwer. Eine Wüste muss durchschritten werden. Ein Niemandsland. Ein Ort der Einsamkeit und fehlenden (Seelen-)Nahrung (Askese). Bevor das Volk (der spirituell Suchende) seine neue Seelenheimat erreicht, sterben alle Mitglieder des Volkes, die noch in Ägypten (in Gefangenschaft) geboren wurden. Das heißt: Es findet eine vollständige Erneuerung aller Seelenteile statt.  

Was haben die Bremer Stadtmusikanten mit Jesus zu tun?

Die Antwort ist offensichtlich: In der Leidensgeschichte Jesu geht es um Erlösung. Man sagt, Jesus hätte sein Kreuz auf sich genommen (--> Joch / Yoga), um die Menschen zu befreien. Jesus, der Erlöser. Dieser Weg der Befreiung führte ihn über die Isolation (-->  "Warum hast du mich verlassen?"), den Tod (--> die Nacht des Grabes) ins Licht - zur Auferstehung und Himmelfahrt (--> neues/ewiges Leben). Sein Symbol ist das Kreuz: "Vier" Achsen, die sich in der Mitte treffen.   

Was haben die Bremer Stadtmusikanten mit Siegfried zu tun?

n der Nibelungensage geht es vordergründig nicht um Erlösung. Bei näherem Hinsehen aber sehr wohl. Es werden in dieser Geschichte lediglich andere Aspekte des spirituellen Erlösungsweges in den Fokus gerückt. Was bei Jesus das Kreuz, bei Patanjali der Yoga und bei Moses die Wüste ist, ist bei Siegfried der Kampf mit dem Drachen. Ist in alten Schriften von Drachen die Rede, dann häufig in der Version, dass ein solches Untier eine Stadt oder Region bedroht. Das Volk lebt in Angst, und der Drache fordert regelmäßig seine Opfer. Die Menschen wünschen sich einen Erlöser herbei – einen Drachentöter, der sie von der Bestie befreit.
In der Nibelungensage ist es etwas anders. Die Überwindung des Drachens verschafft Siegfried Kräfte, die ihn von den Fesseln materieller Beschränkungen befreien. Er erhält eine Tarnkappe, er wird unverwundbar, er versteht die Sprache der Vögel, etc.. Seine Geschichte weist also einen Bezug zu den Yoga-Aphorismen des Patanjali auf. Was dort die magischen (seelischen) Kräfte sind, ist hier der Drachenhort.
In einer anderen Version der Nibelungenerzählung werden als ursprüngliche Eigentümer des Drachenhorts die Nibelungen genannt, ein Name, in dem die germanische Bezeichnung für "Nebel" steckt. Im Nebel liegt etwas verborgen, genau wie in der Dunkelheit und der Nacht.
Im Unterschied zum Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten" – sowie der Leidensgeschichte von Jeus und dem Mythos von Moses – gibt es in der Nibelungensage kein "Happyend". Es handelt sich in dieser Erzählung um einen missglückten Befreiungsversuch. Denn nicht nur Siegfried scheitert, sondern das ganze Königsgeschlecht der Burgunder. Die Nibelungensage bringt in ihrer Erlösungsgeschichte etwas ins Spiel, was bei den Bremer Stadtmusikanten sowie bei Moses und Jesus nicht vorkommt, wohl aber bei Patanjali: Das Scheitern nach einem langen, mühsamen Befreiungsversuch.

 

Joomla templates by a4joomla