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VATAN - Der Pfad des Nordens, Teil 3

Meine Beurteilung des VATAN - Der Pfad des Nordens, Teil 3

Kapitel 2 DER LEBENSBAUM
Als ich die schönen Bildchen in Kapitel 2 sah, dachte ich: Oh, hier gibt es bestimmt etwas Neues und Interessantes zu entdecken! Doch leider hatte ich meine Erwartungen etwas zu hoch gesteckt.
In diesem Kapitel wird u.a. behauptet, dass sich die Runen aus dem vatanischen Lebensbaum ableiten. Und dieser Lebensbaum, der ja von den Vatanis entweder vom Sirius oder von der Astralebene importiert wurde, hat, wie Igor bereits erwähnte, komischerweise frappante Ähnlichkeit mit dem kabbalistischen Lebensbaum. Haben da am Ende die Kabbalisten von den Vatanis abgekuckt? Handelt es sich hier also um die antike Form eines Patent-Diebstahls? Ich vermute da eher einen zeitgenössischen Ideenklau seitens der von Hollanders.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang gerade an die Worte eines römischen Geschichtsschreibers, der das Verhalten der Teutonen kurz vor ihrer Schlacht mit den Römern bei Aix-en-Provence beschrieb. Während die Römer schon kampfbereit waren und durchorganisiert, hatten die Teutonen nichts Besseres zu tun, als im Fluss zu baden. Der zuständige römische Feldherr Gaius Marius war darüber völlig fassungslos.
Wenn ich diese und andere Beschreibungen über Germanen lese, dann scheint es mir mehr als zweifelhaft, dass diese einem derartig abstrakt-philosophischen Gebilde wie diesem vatanischen Lebensbaum anhingen. Der Lebensbaum, den die von Hollanders da konstruieren, passt m.E. eher in den mathematisch hochentwickelten Orient. Und da kommt er auch her.

Zitat von Seite 51:
*Zum ersten Teil von Wodans Runenlied: … Die Entschlüsselung, die wir vorzunehmen gedenken, ist natürlich aus der Sicht der Vatan-Runenmeister.*

Na ja, da kann ja unsereins nicht mitreden. Da muss also schon jeder mit seinen Deutungsversuchen scheitern, der kein Vatan-Runenmeister ist. Doch schauen wir uns den Anfang der Entschlüsselung einmal an.

Die von Hollanders zitieren aus der Edda:
*Ich weiß, wie ich hing am windkalten Baum neun eisige Nächte …*

Komisch?! In meiner Edda steht:
*Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum neun Nächte lang …*

Warum schreiben die von Hollanders *windkalt* und *eisig*? Ganz einfach: damit die Herleitung des Lebensbaumes, der aus zwei in sich verschmolzenen 6-strahligen Schneeflocken konstruiert ist, auch aufgeht. Das gefrorene Wasser (Eis) spielt ja in ihrer Vatan-Mythologie eine wichtige Rolle. Deshalb schreiben sie die Edda einfach mal um.

Ich habe nun von der Edda und nordischer Mythologie keine Ahnung. Aber die von Hollanders schreiben ja auf Seite 43:
*Deshalb sind die Analogiegesetze unser wichtigstes Instrument, um Erkenntnis zu erlangen.*

Und die Sprache der Analogien müsste ja – wenn auch nicht immer eindeutig – so zumindest universal verständlich sein. Mir, als Nicht-Vatan-Runenmeister, sagt der Anfang des Runenliedes Folgendes:

Odin, der eigentlich ein Gott ist, hängt als Mensch am Baum des Lebens. Ein Gott ist also als Mensch inkarniert. Das meinen die von Hollanders ja auch. Aber …
Es ist ein windiger Baum und kein windkalter Baum, wie ihn die von Hollanders kreieren, um daraus ihre Schneeflocken-Deutung abzuleiten. Und wenn ich mir einen windigen Baum vorstelle, dann sehe ich, wie sich da etwas bewegt. Bewegte Luft bewegt den Baum. Es handelt sich also um eine Merkur-Zwillinge-Entsprechung. Folglich könnte es ganz allgemein um Kommunikation, Austausch, Gedanken und Bewegung gehen.

Und was spielt in vielen magischen/spirituellen Systemen eine so fundamentale Rolle? Das Unterbrechen des inneren Dialogs, das innere Schweigen, die Unbeweglichkeit des Körpers durch Einnehmen von Asanas. Aber auch die gezielte Anwendung von Lauten. Es heißt im Runenlied *nahm auf die Runen, nahm sie rufend auf*.
Das bedeutet für mich:
A – Odin nimmt die Runen in sich auf (z.B. indem er sie betrachtet, darüber meditiert, ihre Form nachbildet, etc.)
B – Odin nimmt sie rufend in sich auf. Also auch über den Klang, durch das Rufen der Runenlaute.
Wenn ich mir das bildlich vorstelle, drängt sich mir die Parallele zum Yoga förmlich auf. Die von Hollanders dagegen machen aus dem Wort *rufend* einfach das Wort *klagend* und deuten es entsprechend.

Odin wird im Runenlied also beschrieben als Mensch, der am Beginn eines spirituellen Entwicklungsweges steht, der ihn wieder zu dem hin führen soll, der er eigentlich ist. Und der Baum in der Edda ist kein abstraktes Gebilde, sondern der ganz reale windige Baum, der hier eine ähnlich symbolische Bedeutung hat wie das (sich bewegende) Rad des Lebens. Mit dem Unterschied, dass im Rad des Lebens der ewige Kreislauf stärker betont wird und im Baum des Lebens stärker die Dualität (aus Einem entwickeln sich Viele).
Der Yogi, der dem ewig sich drehenden (sich fortbewegenden) Rad des Schicksals entkommen will, muss etwas Bestimmtes auf sich nehmen.
Der Runenmeister, der dem Gebundensein am sich bewegenden Baum des Lebens entkommen will, muss auch etwas Bestimmtes auf sich nehmen. Und was beide auf sich nehmen müssen, sieht ziemlich gleich aus.  

Der reale Baum kann als Sinnbild für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen (aus Einem entwickeln sich Viele), er kann für die vielen Taten und Aktivitäten stehen (Äste und Zweige), die sich alle aus einer Ursache (Stamm, Wurzel, Samenkorn) entwickeln, er kann aber auch für das Bewusste (Krone) und das Unbewusste (Wurzel) stehen.

Odin hängt 9 Nächte an dem Baum des Lebens, bevor er die Runen aufnimmt und seine Lehre beginnt. Und was sagt mir *Symbolik und Bedeutung der Zahlen* von Hajo Banzhaf dazu?
Die 9 ist die Zahl der Initiation und Sammlung vor dem Schritt ins Neue. Und das Neue ist die höhere Entwicklungsebene, die mit 10 beginnt. Im Tarot trägt DER EREMIT die Zahl 9. Die Bezeichnung Eremit könnte ja nicht besser passen zu einem Menschen, der sich vom Baum des Lebens (von der profanen Welt) löst.
Was ich in diesem Zusammenhang auch interessant finde, ist die Tatsache, dass der 9. Abschnitt des Tierkreises (oder Tyrkreis, wenn Ihr das lieber lest) der Schütze ist und dieser entspricht der Sinnfindung und Horizonterweiterung. Im gegenüber liegt als 3. Abschnitt das Zeichen Zwillinge, das ich weiter oben bereits im Zusammenhang mit Sprache, Bewegung und Denken erwähnte. Der 10. Abschnitt ist das Zeichen Steinbock, das man mit Grenzen, Weisheit, Meisterschaft und Prüfungen assoziiert. Deshalb finden wir an dieser Schwelle auch den Hüter der Schwelle. Und jeder, der an ihm vorbei will, sollte Weisheit und Meisterschaft erlangt haben, was ja Odin im weiteren Verlauf seines Liedes erlangt. Und was liegt dem 10. Abschnitt gegenüber? Der 4. Abschnitt, also das Zeichen Krebs. Dies entspricht der Wurzel (Herkunft, Urgrund) und der Nahrung (Speise und Trank) – beides Dinge, die ebenfalls in den ersten Versen des Liedes vorkommen.

Was ich an dem Lebensbaum der Autoren auch äußerst merkwürdig finde, sind einige astrologische Entsprechungen, welche sie den 10 Zentren zuordnen (siehe Seite 69).
Was hat STATIK mit NEPTUN, dem formlosesten Prinzip, zu tun?
Was hat HARMONIE (eine Venus-Waage-Entsprechung) mit JUPITER zu tun?
Was hat DYNAMIK mit URANUS zu tun?
Was hat SEIN mit PLUTO zu tun?

Mal kucken. Vielleicht werde ich im 3. Kapitel schlauer.

Bis dahin:

Ciao
Mario

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