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Völliger Verlust der Gefühle

Der folgende Bericht soll auf eine mögliche Gefahr hinweisen, die drohen kann, wenn man sich mit magischen Praktiken oder anderen Techniken der Bewusstseinsentwicklung beschäftigt. Dabei geht die Gefahr nicht einmal von den Techniken selbst aus, sondern von dem Unvermögen, die erworbenen Kräfte und Fähigkeiten zu kontrollieren. Man kann folglich auch nicht die Techniken verteufeln, da diese lediglich Mittel zum Zweck sind, die falsch angewendet wurden. Wer mit einem Dreimaster segelt, obwohl er nur den Umgang mit einer Jolle gelernt hat, wird früher oder später Schiffbruch erleiden. Ebenso jemand, der die Mittel, die er nutzt, nur zum Teil kennt. Fehler sind überall und in jeder Lebenslage möglich, mit unterschiedlich großen Folgen. Nun zur Geschichte:

Vorgeschichte (Meditation, Philosophie, Traumsteuerung & Co.)

Nachdem ich mich Ende der 70er mit diversen philosophischen Themen beschäftigt hatte, setzte ich mich in der ersten Hälfte der 80er sehr intensiv und praktisch mit diversen magischen Techniken auseinander. Den Schwerpunkt legte ich dabei auf die Traumsteuerung, die Astralprojektion, verschiedene Meditationstechniken, gezielte Veränderung gewohnter Verhaltens- und Reaktionsweisen sowie auf die Lebensweise und die Techniken, wie sie in den Bänden CARLOS CASTANEDAS beschrieben werden. Im Laufe der Übungszeit stellten sich diverse Fortschritte ein. Die Astralprojektionen häuften und verbesserten sich, ebenso die wachbewussten Träume und deren Kontrolle. Darüber hinaus bildete sich etwas aus, was bei CARLOS CASTANEDA als *der Wille* bezeichnet wird. Ich achtete im Laufe der Übungsjahre darauf, die seelischen Kräfte nach bestem Wissen und Gewissen im Gleichgewicht zu halten. Doch dabei unterlief mir ein Fehler, wie man ihn blöder nicht begehen kann. Durch das Bild einer Balkenwaage, als Symbol für Gleichgewicht, war ich so auf den Ausgleich zwischen Links und Rechts fixiert, dass ich den Ausgleich zwischen Oben und Unten, vor allem aber zwischen Hinten und Vorne völlig außer Acht ließ. Dies hatte fatale Folgen. Folgen, deren Auslöser nicht aus der Welt der anderen Wirklichkeit kam, sondern aus der profanen Welt der Alltagsrealität. Eine für Außenstehende scheinbar harmlose und unscheinbare Beziehungskrise bewirkte, dass mein seelisches Gleichgewicht völlig aus den Fugen geriet. Als Folge ergab sich ein etwa 3-monatiger Kampf, an dessen Ende die völlige Vernichtung stand.

Der sprituelle Todeskampf

Gleich nach der Auslösung des Ereignisses spürte ich, dass mich etwas ungeheuer Schreckliches erwartete. Ich versuchte, das Schicksalhafte abzuwenden und je mehr ich dies versuchte, desto mehr entzog es sich meiner Kontrolle. Ich wusste bald, dass ich loslassen und aufgeben musste, um mein inneres Gleichgewicht wieder zu finden. Doch das Loslassen war nicht radikal genug. Ich wusste auch, dass ich das, was ich innerlich festhielt bzw. das, was mich innerlich festhielt, aktiv in mir töten musste. Doch dazu war ich nicht fähig, denn es stellte sich meinem Wesen völlig entgegen. Im Laufe der Monate vergingen mir im wahrsten Sinne des Wortes Hören und Sehen. Ich sah Regenbogenfarben und innere Bilder, die sich wie Projektionen über die Bilder der Außenwelt legten. Und ich spürte körperlich ein Messer, das in meinem Rücken steckte und sich, mal in der Höhe des Herzens, mal in der Höhe des Solarplexus, bohrend drehte. Das Messer war so intensiv, dass ich das Gefühl hatte, ich könne es greifen. Ein anderes Phänomen war, dass sich entfernende Objekte eine magnetische Wirkung auf mein Inneres ausübten. Wenn ich auf einer Brücke stand und einem darunter vorbei brausenden Zug hinterher sah, wurde eine in meinem Körper befindliche Substanz erfasst und magnetisch von dem Zug angezogen und mitgenommen. Im Laufe dieser drei Monate – ich weiß nicht mehr, ob am Anfang oder am Ende – vermutlich am Ende – öffnete sich im Bereich meines Nabels für einen kurzen Moment eine kleine Lücke und ich blickte durch diese Lücke in ein schwarzes, unendliches Nichts, das so gewaltig und schrecklich war, dass es keine Worte gibt, es zu beschreiben. Es war wie ein Abgrund, der jeder menschlichen Existenz so abträglich ist, dass er nur pures Entsetzen für sie bereithält.

Das Ende: eingefrorene Gefühle oder amputierte?

Das Ende selbst war so unspektakulär wie schrecklich. Eines Morgens erwachte ich und war vom Hals abwärts völlig tot. Es gab nicht das geringste Gefühl, das sich regte. Ich redete mir zunächst ein, dass es sich um einen vorübergehenden, relativ kurzen Zustand handelte, bei dem nur die Gefühle *eingefroren* waren. Gleichzeitig wusste ich, dass ich mich belog. Etwas sagte mir, dass dieser Zustand Jahre dauern sollte, vielleicht sogar Jahrzehnte. Dennoch machte ich mir immer wieder aufs Neue Hoffnung, um sie bei realistischer Betrachtung schwinden zu sehen. In der Annahme, ich müsse lediglich etwas tun, was mir früher Freude bereitet hatte, versuchte ich eben dies zu tun. Aber es gab nichts. Das, was vorher meine Welt ausmachte, war völlig verschwunden. Jeglicher Bezug, den ich vorher zur Welt, meinen Mitmenschen, meinen Freunden und Bekannten hatte, ging gänzlich verloren. Ich blickte in die Zukunft mit dem Wissen, dass mir für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte nichts geblieben war als ein halbwegs funktionierender Verstand sowie ein nur noch mit primitiven Reizen ausgestatteter Körper, der langsam älter wurde. Mir war zum Weinen. Doch dazu fehlte jegliche Substanz, jegliches Gefühl. Wie gerne hätte ich in diesem Zustand mit einem Querschnittsgelähmten getauscht, der, zwar seiner Bewegungsfähigkeit beraubt, wenigstens noch Glück und Freude empfinden konnte. Es gab über viele Jahre, die der Zustand andauern sollte nichts, wirklich nichts, was mich am Leben hielt, außer der Tatsache, dass ich kein Selbstmörder bin. In dieser Lebensphase lernte ich eines schätzen:

Besser schmerzvolle Gefühle, als gar keine

In den ersten Monaten der Gefühllosigkeit traten Zustände auf, die geradezu paradox waren. So nahm ich Erlebnisse und Gefühle aus meiner frühesten Kindheit wahr, die ich völlig aus der Erinnerung gestrichen, bis zu diesem Zeitpunkt nie wieder erinnert hatte. Die Erlebnisse waren meist mit dem Gefühl kindlicher Hilflosigkeit verknüpft. Wenn ich hier von Gefühlen spreche, dann waren es nicht Gefühle im allgemein bekannten Sinn, denn ich fühlte ja nichts in mir. Vielmehr war es so, dass die Gefühle außerhalb meines Körpers waren, so, als würden sie mich wie Wasser umspülen, wie Wasser einen Stein umspült. Häufig versuchte ich, etwas zu fühlen, indem ich meine nichtvorhandenen Gefühle auf etwas richtete. Als Reaktion zeigte sich ein nahezu rein körperlicher Schmerz, der den flüchtigen Hauch eines Gefühls wie einen winzigen Tautropfen aus dem trockenen Stein meines Brustkastens presste. Ein weiteres seltsames Phänomen in dieser Zeit war, dass ich keinerlei Schutz gegen die Emotionen anderer Menschen hatte. Selbst Personen, die ich früher als emotional schwach empfunden hätte, versetzten (vor allem durch Gesten) die dumpfe Leere in mir in eine Art Panik, so dass ich den Eindruck hatte, das etwas, das in mir gar nicht vorhanden war, aus mir fliehen wollte. Ich hatte diesen Menschen nichts entgegenzusetzen und war ein Spielball ihrer emotionalen Äußerungen. Als solcher erlebte ich mich hohl und niveaulos, manchmal sogar fremdbesetzt. Die Gefühlsmuster anderer Menschen nahmen damals häufig von mir Besitz, ohne dass ich irgendwelche eigenen Gefühle hatte. In dieser Zeit lernte ich auch, wie es sich *anfühlt*, ein anderer Mensch zu sein, als der, der man ist. Es ist abstoßend.

Ein Minus auf dem Gefühlskonto

Der Zustand, in dem ich mich befand, war so abartig, dass er rational und emotional kaum fassbar ist. Es war, wie gesagt, nicht so, dass die Gefühle lediglich *eingefroren* waren, vielmehr befand ich mich in einem emotionalen Negativ-Zustand, vergleichbar mit einem Minus auf dem Gefühls-Konto. An die Stelle der Gefühle war ein vages, dumpfes Etwas getreten, das einem Stein - oder besser - einem Vakuum glich und keinerlei Resonanz hervorrief. Der Zustand hatte auch etwas von einer dumpfen Leere eines hohlen Körpers. Die Gefühllosigkeit ging so weit, dass selbst physische Reize, wie das Kneifen der Haut, relativ schmerzlos waren. Die Erstarrung und Leere wirkte sich sogar auf das Denken aus, so dass es manchmal zu Denkblockaden kam, die ich durch einen leichten Schlag auf den Kopf zu beseitigen suchte. In den ersten beiden Jahren nach Eintreten dieses Zustandes tat ich nichts anderes als essen, arbeiten, schlafen, essen, arbeiten, schlafen, essen, arbeiten, schlafen. Das heißt, wenn ich nicht gerade aß oder arbeitete, lag ich im Bett. Auch dann, wenn ich nicht müde war.

Es gibt Menschen, die schweigen, weil sie glauben, Schweigen vermehre ihre Energie. Nun merkte ich, was dies tatsächlich hieß. Mit jedem Wort, das ich aussprach, vergrößerte sich mein Minus auf dem Gefühls-Konto. Deshalb vermiet ich es in meiner Freizeit weitestgehend, mit irgendjemandem zu sprechen. Wenn ich es tat, erschrak ich jedes Mal über meine Stimme. Denn Sie klang für mich nicht nur fremd, sondern so blechern und hohl, wie ich es nie in meinem Leben gewesen bin. Ein weiterer Faktor, der die Leere in mir vergrößerte, war die aufrechte Körperhaltung. Deshalb saß ich vor allem in der Anfangszeit häufig mit einem gebeugten Oberkörper, weil mir dies die Illusion gab, noch etwas zu fühlen.

Zu den Notwendigkeiten des Alltags gehörte die Versorgung eines Hundes. Diese brachte es mit sich, dass ich längere Waldspaziergänge unternahm. Auf diesen Spaziergängen erlebte ich Pflanzen und Geländeabschnitte als Kraftfelder, die eine so starke Wirkung ausübten, dass ich den Drang verspürte, mein Gesicht abzuwenden. Es war mir, als brächten sie die Leere in mir aus dem Gleichgewicht. Um dies zu vermeiden, drehte ich dann häufig meinen Kopf nach recht oder links, obwohl ich geradeaus lief. Eine ähnliche Wirkung wie die Pflanzen und Geländeabschnitte hatten Nahrungsmittel. Deshalb vermied ich anfangs weitestgehend Gemüse, da ich die Kraft, die von ihm ausging als so stark empfand, dass ich ihr nichts entgegensetzen konnte. Eine ähnliche Wirkung, aber weniger stark, hatte Obst. Um nicht gänzlich auf pflanzliche Nahrung zu verzichten, beschränkte ich mich deshalb ersatzweise auf Obst.

Meine Perspektive: ein Leben als Gefühlszombie

Was ich bereits zu Beginn dieses Zustandes spürte, aber nach dem Motto \\\"die Hoffnung stirbt zuletzt\\\" nicht wahrhaben wollte, trat ein. Die Gefühllosigkeit erstreckte sich über Jahre, und die Fortschritte waren mehr als kläglich. Selbst nach 19 Jahren bin ich weit davon entfernt, die Intensität des Erlebens zu haben, die ich hatte, bevor das Unglück eintrat. Vor allem in den ersten 4 oder 5 Jahren vegetierte ich als Zombie vor mich hin und hatte den Eindruck, dass mein Körper einem hohlen Turm glich, der am oberen Ende ein kleines Fenster hatte, durch das spärliches Licht hereinfiel. Ich selbst, der Mensch darin, war auf ein Nichts zusammengeschrumpft, das am Grunde dieses Turmes saß und keine Verbindung zur Außenwelt hatte. Der Gefühlskörper, der vorher in diesem Turm steckte, ihn gänzlich ausfüllte und als Verbindungsglied zwischen innen und außen diente, war nicht mehr vorhanden.

Von meinem Gefühlsverlust erzählte ich, vor allem in den ersten 10 Jahren, so gut wie niemandem. Und wenn, dann verstand keiner wirklich, worum es ging. Dies war allzu verständlich, da man nicht nachvollziehen kann, wie es ist, keine Gefühle zu haben, solange man welche hat oder zumindest potentiell fähig ist, zu fühlen.
Ein Umstand, der mich verwunderte, war, dass selbst Menschen aus meinem engsten Umkreis nichts von dieser Veränderung bemerkt hatten. Lediglich meine Schwester meinte rückblickend, dass ich damals etwas komisch auf sie wirkte.

Um mit Menschen weiterhin einen für mich einigermaßen normalen Umgang pflegen zu können, überließ ich mich den primitiven Reaktionen, zu denen mein Verstand, meine Nerven und mein Körper gerade noch fähig waren. Dabei wurde mein Verhalten von Automatismen und alten Reaktionsmustern bestimmt, die ohne jegliches Gefühl abliefen. Diese alten Reaktionsmuster verbanden sich mit der Fremdbesetzung durch die Gefühle anderer zu dem, was damals meine Identität ausmachte.

Die fehlenden Puzzle-Teile

Ich kann nicht sagen, dass der Verlust meiner Gefühle nichts als ein schwerer Verlust gewesen ist. Denn durch dieses Ereignis wurden mir schlagartig Dinge bewusst, für die ich Jahre gebraucht hätte, um sie zu erkennen. Es fügte von heute auf morgen den vielen Puzzleteilen meines Lebens ein riesiges fehlendes Teil hinzu und machte es zumindest als Bild vollständig

So machte ich zum Beispiel folgende Wahrnehmung:

Ich war in den ersten Jahren nach meinem Gefühlsverlust nicht mehr in der Lage, Dinge gefühlsmäßig zu erfassen und zu beurteilen. Damit ging mir die Fähigkeit verloren, Dinge unmittelbar zu erkennen und über sie Bescheid zu wissen. Ich musste sie deshalb aufgrund äußerer Erscheinungen mit Hilfe des Verstandes beurteilen. Das, was man als *ein Gefühl für die Dinge* bezeichnet, als unmittelbares Erkennen, war nicht mehr vorhanden. Dies brachte mich zu dem Schluss, dass echtes Wissen und unmittelbares Erkennen nur durch eine Art Gefühlssubstanz möglich sind. Das heißt, die Informationen, die über äußere Erscheinungen aufgenommen werden, spielen eine relativ untergeordnete Rolle.

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