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Mutter


Eine Fotze hat mich einfach ausgeschissen,
hat mich nicht danach gefragt,
hat mich gewaschen, gewickelt, mir die Brust gegeben,
weiteren Körperkontakt versagt.
Hat mich abgestellt in einem Zimmer,
eingehüllt in Angst und Dunkelheit,
gequält von Körperschmerzen und Dämonen,
hatte für mich keine Zeit.

Suchte nach der Mutter Liebe,
die sie von ihr nie bekam,
durch Pflege hypochondrischer Probleme
dieser alten Frau voll Gram.
Pflegte sie von vorn bis hinten,
ohne Liebe, ohne Dank,
pflegte ihre alte Mutter,
pflegte meine Seele krank.

Dürstend nach der Mutter Liebe,
nimmersatt wie ein Geschwür,
abgestellt im Kinderwagen,
starrte ich auf eine Tür,
die geöffnet, mal geschlossen,
je nach Spalt breit Hoffung gab,
die sich selten mal erfüllte.
Schweigend lag ich, wie im Grab.

Ach, was hätt’ ich bloß gegeben,
die Tür vor mir zu kontrollieren.
Könnt’, wenn ich nach Liebe lechzte,
einfach so hindurch spazieren.
Doch die Tür, sie blieb verschlossen,
und ihr Spalt, er neckte mich,
gab mir Hoffnung, nahm sie wieder.
Mutter, warum lässt du mich in Stich?

Warum hast du mir die Stahltür
in mein Kinderbett gelegt
und mit ihrer kalten Schwere
ein hartes Los ins Herz geprägt?
Hast nicht gezeigt wie man sie öffnet,
auf meiner Seite fehlt der Griff.
Drum bleibe ich im Meer der Liebe
ein völlig steuerloses Schiff.

Zerschelle selbst bei warmer Strömung
an einem Berg aus lauter Eis,
bezahl’ für nicht empfangene Liebe
mit meiner Lebenskraft den Preis.
Sag, ist sie es wert gewesen,
wegen der ich früh verwaist,
sie, die dich nur schikanierte,
sich tot soff an Melissengeist?

War sie’s wert, dass du mein Glück,
meine Zukunft und mein Leben,
diesem nimmersatten Drachen
hast so leicht zum Fraß gegeben?
Statt deine Bestie selbst zu töten
hast du sie genährt, gepflegt
und mir dein scheußlich böses Monster
mitsamt der Brut ins Nest gelegt.

Drum, Mutter, muss ich doppelt kämpfen,
und dieser Kampf heißt Agonie.
Die Brut hat meinen Schatz gefressen
und das verzeihe ich dir nie.
Weil du einst mit ihr verbündet,
wirst du heut zu einem Tier,
das ich eiskalt töten muss,
Mutter, komm, verzeihe mir.

Fahr zur Hölle und verrotte,
dich Monster werde ich nicht pflegen
und werde auch nicht bei dir sein,
wenn sie ins dunkle Grab dich legen.
Was die Brut gefressen hat,
als ich mit deinem Drachen rang,
lässt zu Staub und Asche werden,
was du mir gabst ein Leben lang.

Es bleibt mir nur, die Brut zu öffnen,
um zu finden, was ich verlor.
Wer weiß, ob es noch leben wird
und mich so anblickt wie zuvor?
Wenn nicht, dann weiß ich, dass mein Leben
mir nichts mehr Lebenswertes gibt
und sich mein Herz nach all den Jahren
zu Tode hat geliebt.

Nun sagt, ist es in Ordnung,  
wenn man die Mutter Fotze heißt
und nach Jahrzehnten ihrer Liebe
auf ihren Sarg hernieder scheißt?

Gewiss doch,
denn wenn das Leben schwindet
man ganz am Ende
seinen Anfang wieder findet.

Um diesen Kreislauf zu beenden
komme ich zu einem Schluss:
Ja, der Herr, er wird’s nicht richten,
weil man selber richten muss.


03-0908
© Mario Ledermann 2008

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