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In einem Klartraum-Restaurant

Ich sitze in einem Restaurant der gehobenen Preis- und Gesellschaftsklasse und stelle fest, dass das Milieu so gar nicht zu meiner Person passen will. Ich habe es mir in einem Sessel bequem gemacht und die Beine weit von mir gestreckt. Meine zerschlissenen Jeans wirken fehl am Platz, genau wie meine extrem legere Körperhaltung. Die Widersprüche zwischen mir und meiner Umgebung wecken in mir den Verdacht, dass ich mich in einem Klartraum befinde.

Psycho-Tricks statt Reality-Checks

Statt der Sache mittels Reality-Checks auf den Grund zu gehen, mache ich mir plötzlich Sorgen, ob ich meine Rechnung schon bezahlt habe. Mein Problem: Ich bin mir zwar sicher, etwas gegessen und getrunken zu haben, ebenso weiß ich, dass es vormittags ist, doch wie ich in dieses Restaurant gekommen bin, will mir beim besten Willen nicht einfallen. Deshalb frage ich den Ober, ob ich eigentlich schon meine Rechnung bezahlt hätte. Er verneint und grinst dabei in einer Weise, die eine unangenehme Vorahnung in mir aufkeimen lässt.

Wenig später kommt er zurück und serviert mir auf einem silbernen Tablett eine Rechnung auf orange-braunem Papier. Summe: 247 Euro. Ich muss schlucken. Als er meine Verlegenheit bemerkt, stellt er lächelnd fest, dass es ja gestern Abend wohl etwas später geworden sei. Mit dieser Bemerkung – so bin ich mir sicher – wollte er mir signalisieren, dass ich a) die Nacht im Hotel des Hauses verbracht hatte, b) wohl so viel getrunken hatte, dass ich nun an einem Blackout litt und c) die Zeche deshalb etwas höher ausgefallen sei, als vermutet. Ich wusste, ich konnte nicht bezahlen. Andererseits wäre das ja auch kein Problem, wenn ich nur klarträumte. Dummerweise war der Klartraum so real, dass ich seine Echtheit nicht so leicht überprüfen konnte. Sicher deutete einiges auf einen Klartraum hin, andererseits waren die Indizien aber auch nicht so stichhaltig, dass sie gegen die Realitätsqualität des Klartraums hätten konkurrieren können.

Verstoß gegen gesellschaftliche Normen als Mittel zum Reality-Check

Weil ich nicht so recht wusste, was ich nun anstellen sollte, ging ich ratlos im Restaurant auf und ab und fand mich plötzlich in einer Gruppe von Leuten, bei denen es sich einerseits um betuchte Gäste des Hauses handelte, andererseits aber auch um Mitglieder der Hotelier-Familie. Um zu überprüfen, ob meine Wahrnehmung ein Klartraum ist oder Realität, fällt mir in diesem Moment nichts anderes ein, als ohne Vorwarnung eine Frau zu küssen, die in greifbarer Nähe sitzt. Mein spontaner Einfall, mit diesem Verstoß gegen die guten Sitten müsse sich doch eine Reaktion provozieren lassen, aus der ich brauchbare Rückschlüsse ziehen konnte, erwies sich nur teilweise als richtig. Denn die Frau erwiderte meinen Kuss nicht mit einer Ohrfeige, sondern mit Gegenküssen, und machte selbst beim Entkleiden bereitwillig mit. Obwohl schon alleine diese Situation genügen solle, das Erlebnis als Klartraum zu identifizieren, gelang mir dies nicht einmal in Anbetracht der anderen Gäste, die wie in einer Traube direkt neben uns saßen und unser Treiben beobachteten, als sei es das Normalste der Welt. Der Klartraum war so hartnäckig, dass es mir nicht einmal gelang, vorsätzlich aufzuwachen.

Schließlich stand ich auf und verließ das Haus. Meine Zeche war mir mittlerweile egal, da ich einfach mal davon ausging, dass ich mich in einem Klartraum befand. Während ich ums Haus schlenderte, sprach mich eine Frau an (Mitte bis Ende 30), die mir irgendwie bekannt vorkam. Aus ihren Worten schloss ich, dass wir uns schon am Morgen begegnet seien und sie könne mir versichern, dass ich nicht in dem Hotel übernachtet hätte, weshalb meiner Zeche wohl ein Fantasiepreis zugrunde läge. Kurze Zeit später verlor ich die Luzidität.  

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