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Der Axtmörder (Traumdeutung)

Traum von Frau J.:

Ich bewohne seit kurzem ein altes, hohes Haus. Die Zimmer befinden sich alle übereinander. Ich bin gerade dabei, mich im obersten Zimmer zu duschen, als plötzlich ein Axtmörder in der Tür steht. Ich weiß, dass er mir den Kopf abschlagen will. Ich springe Zimmer für Zimmer tiefer, um zu entkommen und um meine Tochter zu retten, die im untersten Zimmer schläft. Ich bekomme Angst bei dem Gedanken, was er ihr antun könnte, nachdem er mich getötet hat. Ich reiße meine Tochter aus dem Bett und renne auf die Straße. Da fühle ich mich sicher.

Szenenwechsel:

Ich erzähle diese Geschichte einer Freundin. Wir gehen zusammen ins Haus. Es hat eine unheimliche, bedrohliche Ausstrahlung. Meine Freundin findet das Haus jedoch ganz toll. Dann bemerkt sie aber auch, dass es spukt. Wir verbergen uns unter einem Tisch mit Decke. Plötzlich werde ich mutig und will mich den Geistern stellen.
Augenblicklich befinde ich mich in einer riesigen, alten Kirche, die aussieht, wie ein Gewölbekeller. Der feste Lehmboden fällt zum nicht mehr vorhandenen Altar relativ steil ab. Ich höre eine bedrohliche Stimme, die ruft: *Wo bist du?* Ich denke, ich muss mich stellen und rufe zurück: *Hier bin ich!* Ich ergebe mich. In diesem Moment füllt sich der Raum mit vielen männlichen Geistern (Gespenstern) aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Diese Geister werden von anderen Männern einfach abgeschlachtet. Es gibt ein richtiges Gemetzel.
Dann taucht plötzlich meine Schwiegermutter auf. Sie findet das alles idiotisch. Ich sage ihr, das dies kein Film ist, sondern Spuk. Ich weiß nicht, ob sie mir glaubt.

Traumdeutung

Der Axtmörder im Oberstübchen

Der Umzug in das alte Haus könnte darauf hindeuten, dass sich die Träumerin seit kurzem in einer Wohn- oder Lebenssituation befindet, die mit ihrer Vergangenheit zu tun hat oder in der sie sich mit Vergangenem auseinandersetzen muss. (Dies traf tatsächlich zu). Die übereinanderliegenden Zimmer des Hauses lassen den Schluss zu, dass die Träumerin nach Höherem strebt und sich von irdischen Dingen entfernt.
Dabei ist sie sehr kopflastig, denn sie befindet sich im obersten Zimmer (im Oberstübchen). In diesem Oberstübchen duscht sie sich gerade. D.h., sie reinigt sich – auch im übertragenen Sinne – allerdings ist diese Reinigung kopfbetont. (Anmerkung: Die Träumerin meditiert seit einiger Zeit. Möglicherweise sehr kopflastig).
Der Axtmörder, der sie plötzlich bei dieser Reinigungshandlung überrascht, deutet auf Aggressionen und Triebe hin (Triebtäter), die sie aus ihrem Leben bisher verbannt hat. Die Triebe bzw. Aggressionen wollen Ihr den Kopf abschlagen. Es ist ihre Art, zu sagen: *Denk nicht so viel!* (Anmerkung: Die Träumerin neigt zum Grübeln.). Um dies noch zu verdeutlichen, jagen die Triebe die Träumerin nach unten, dort, wo eigentlich die Triebe zu Hause sind.

Das schlafende innere Kind

Sie rennt auf die Straße, nachdem sie ihre schlafende Tochter aus dem Bett geholt hat. Die Tochter ist der weibliche Aspekt ihres inneren Kindes. Dieses innere Kind schläft. Anders formuliert: es ist irgendwann eingeschlafen. Und zwar ganz unten im Erdgeschoss, was auf die physische, triebhafte Orientierung des inneren Kindes schließen lässt, aber auch auf die Vergangenheit. Die erwachsene Frau (die Träumerin) hat nun Angst, dass ihr inneres Kind verletzt wird. Von diesem Kind hat sie sich mehr oder weniger abgespalten (sie ist ja oben – im Kopf – und das Kind unten) und hat es einschlafen lassen. Warum möchte oder muss die Träumerin ihr inneres Kind so behüten, warum möchte sie nichts an das Kind heranlassen? Vielleicht ist der Axtmörder (Trieb) nur der abgespaltene, aggressive Teil ihres inneren Kindes, der sich wieder mit ihm vereinigen will, um es zu erwecken. Vielleicht hat die Träumerin ihr inneres, triebhaftes Kind einschlafen lassen, während sie nur im Kopf erwachsen wurde. Vielleicht hat sie als Kind nie gelernt mit Aggressionen angemessen umzugehen. Wie auch immer – sie muss jetzt nach unten ins Triebhafte und in die Vergangenheit.

Doch sie flüchtet mit ihrem inneren Kind aus dem Haus. Dies kommt einer Art Flucht aus dem Körper  gleich. Anders ausgedrückt: sie zieht sich aus dem Raum zurück, der ihr zusteht. (Anmerkung: Der Träumerin fällt es tatsächlich schwer, selbstbewusst Position zu beziehen und sich zu behaupten.) Dieser Rückzug von ihrer eigenen Position, die sie eigentlich behaupten sollte, gibt ihr ein vorübergehendes Gefühl der Sicherheit.

Objektivität vs. Subjektivität

Sie tauscht sich mit einer Freundin aus. Freunde sind Teile unserer Persönlichkeit, die normalerweise Eigenschaften aufweisen, die man Freunden gewöhnlich zuschreibt. Sie sind hilfsbereit, vertraut, verlässlich, unterstützend, etc. Da ist also etwas im Innern der Träumerin, das ihr hilft und sie in das Haus zurückbegleitet. Sie fühlt sich also nicht alleine gelassen, sondern unterstützt in ihrem Bestreben, Ihren Lebensraum zu behaupten und zurückzuerobern. Freunde sind auch Menschen, die uns die Wahrheit sagen dürfen, statt uns nur nach dem Mund zu reden. Sie helfen uns, ein objektiveres Urteil zu fällen. Somit kann die Freundin auch für die Objektivität der Träumerin stehen.

Ihre Objektivität sagt ihr: *Der Lebensraum, den du bezogen hast, ist toll!*
Doch gleich darauf muss sie nicht nur unter subjektiven, sondern auch unter objektiven Gesichtspunkten erkennen, dass etwas mit ihrem Lebensraum nicht stimmt. Es hätte hier auch sicher keinen Sinn, etwas *weg zu objektivieren*, was subjektiv empfunden wird. Die Träumerin hat nun ihren Lebensraum wieder eingenommen, das heißt, Stellung bezogen. Aber sie ist in sich selber schwach und duckt sich (unter einen Tisch), macht sich also klein und unsichtbar. Die Objektivierung (Freundin) der Vorgänge, die auf ihr Leben einströmen und ihr zu schaffen machen, nützt ihr nicht viel. Sie muss subjektiv erleben und subjektiv reagieren. Deshalb steht sie nun auf und will sich den Geistern stellen. Das heißt, es ist etwas Ungreifbares, Nebelhaftes, Spukhaftes, was sie bedroht (Geister).

In den Kellergewölben der Seele

Diese Entscheidung des Sich-stellens führt sie in innere (seelische) Räume, die längst verlassen wurden, in denen aber noch etwas Altes herumspukt. Männer. Doch zunächst der Raum. Es handelt sich um eine riesige, alte Kirche, die aussieht wie ein Kellergewölbe. Eine Kirche, die längst verlassen wurde und als solche nicht mehr genutzt. Ging es am Anfang des Traumes vom Oberstübchen (Kopf bzw. rationale Welt) hinunter ins Erdgeschoss (den Boden der Tatsachen oder die physisch erfahrbare Welt), so geht es jetzt noch tiefer – in die dunklen Kellergewölbe der Seele, auch Unterbewusstsein genannt. Da ist ein sakraler Raum, in dem keine Anbetung mehr stattfindet (der Raum ist leer und der Altar fehlt). Es stellt sich die Frage: *Was wurde hier früher angebetet?* Und: *Warum ist dieser sakrale Raum so groß?* Wurde früher den sakralen Bereichen des Lebens viel Raum gegeben?

Zum Altar, dem Hauptteil der Kirche, geht es noch weiter hinunter, so, als wolle der Traum sagen: *Das Sakrale, Heilige, Anbetungswürdige ist nicht etwa oben, sondern noch weiter unten, als du denkst und es braucht keinen Altar!* (Anmerkung: Man könnte sich hier auch fragen, welche Art von Spiritualität die Träumerin im realen Leben mit Hilfe  ihrer Meditation sucht. Ist diese Spiritualität zu abgehoben und weltfremd und schließt das Triebhafte, Aggressive aus?)

Zurück zu Mutter Erde

Der Boden der Kirche besteht nur aus Lehm. Das heißt, es ist nichts zwischen der Träumerin und der Mutter Erde. Dies weist die Träumerin – in Verbindung mit anderen Symbolen des Traumes – sehr stark auf das physisch Erfahrbare hin. Der Traum fordert auf, das Heilige nicht nur sehr weit unten zu suchen, sondern auch im physischen, körperlichen, sinnlichen Erleben des Irdischen.

Begegnung mit der eigenen Aggression

Etwas Bedrohliches in ihrem Innern sucht ganz tief unten nach ihr: *Wo bist du?* Diesem muss sie sich stellen, sich ergeben. Das heißt, sie muss sich einer Situation stellen (aktiv, handelnd), indem sie sich ergibt (passiv, geschehen lassend). *Hier bin ich!*
In diesem Moment des Sich-stellens füllt sich der heilige Raum mit männlichen Geistern aus der Vergangenheit, die sich ohne Gegenwehr abschlachten lassen wie Opfertiere. Etwas, das sie bisher nie selbst tun konnte und vermied, wird ihr hier vorgelebt, so dass sie es nachempfinden und verarbeiten kann. Sie ist aufgefordert, das schwache, schattenhafte, opferbereite Prinzip  in sich (die männlichen Geister) gegen ein entschlossenes, radikales, aggressives Prinzip (die aggressiven Männer) auszutauschen, indem sie  letzteres Prinzip aktiv verkörpert und damit das erste Prinzip in sich zerstört. Damit vernichtet sie auch alte Trugbilder im Bezug auf Aggression. Es fällt der Träumerin nicht leicht, dieses Gemetzel mit anzusehen, aber sie ist gezwungen, es sich anzusehen. Verletzung und Aggression – sowohl in der aktiven (Täter) als auch der passiven Rolle (Opfer) – scheinen heikle Themen im Leben der Träumerin zu sein. Sie möchte niemanden verletzen, aber auch selbst nicht verletzt werden, was sich aber beides manchmal nicht vermeiden lässt.

Die Schwiegermutter - ein Alptraum im Alptraum

Welche Rolle spielt die Schwiegermutter? Zum einen hat die Schwiegermutter im Leben einer Frau den Platz inne, den die junge Frau nun selbst einnehmen muss. Die Schwiegermutter ist die erste Frau im Leben des Ehemannes der Träumerin. Und diesen ersten Platz sollte nun die Ehefrau selbst einnehmen. Zum anderen ist die Schwiegermutter das, was das innere Männerbild geboren bzw. hervorgebracht hat. In beiden Fällen sollte die Träumerin sich fragen, welches Verhältnis sie zu ihrer Schwiegermutter hat. Kann sie ihre Position als erste Frau einnehmen? Oder ist sie zu schwach?
Die Schwiegermutter, als klassische Konkurrentin in der erwachsenen Frauenrolle, kann bei Träumerinnen auch etwas über das momentane Rivalitätsverhalten gegenüber anderen Frauen aussagen. Im beschriebenen Beispiel ist die reale Schwiegermutter sehr dominant und verletzt die Grenzen der Träumerin (Anmerkung: Dies findet im Traum zwar keine Erwähnung, verhält sich aber lt. Träumerin so.) Die Schwiegermutter nimmt also viel Raum ein, und zwar einen Raum, der eigentlich der Träumerin gebührt. So fordert auch dieser Aspekt die Träumerin wieder auf, ihren Platz einzunehmen und sich dort zu behaupten.

Es gibt die Redensart *seinen Mann stehen*, die ausdrücken soll, wie sich jemand behauptet. So können Männer im Traum auch etwas über diese Eigenschaft ausdrücken. Der Mann im Traum steht somit also auch für die Durchsetzungsfähigkeit des Träumers. Da die Schwiegermutter auch das ist, was den Ehemann hervorgebracht hat, kann man sich fragen: *Welche Eigenschaft (die mit der Schwiegermutter assoziiert wird) hat die schwache Durchsetzungsfähigkeit der Träumerin (die männlichen Opfer) hervorgebracht?* Möglicherweise ist es das Nicht-einnehmen-wollen des eigenen Raumes, da ja die Schwiegermutter grenzüberschreitend erlebt wird. Doch zur Grenzüberschreitung des Anderen gehört eine Bereitschaft, ihm diesen Raum – wenn auch widerwillig - zu überlassen.

Zwei weibliche und zwei männliche Aspekte der Träumerin

In der letzten Traumszene gibt es zwei weibliche Aspekte und zwei männliche.
1. Die Träumerin in ihrer jetzigen Position und Verfassung
2. Die Schwiegermutter als dominante, grenzüberschreitende  Rivalin
3. Die männlichen Geister, die sich abschlachten lassen wie Opfertiere
4. Die aggressiven Männer, die die schwachen männlichen Geister niedermetzeln

Die Botschaften, die in dieser Szene stecken, könnten lauten: *Nimm deine dir zustehende Position ein! Behaupte deinen Platz! Nimm dein Leben eigenverantwortlich in die Hand! Lass deine Opferrolle sterben und werde selbst zum Täter! Wenn nötig mit aller Entschlossenheit, Radikalität und Konsequenz! Erkenne, dass Verletzung, Aggression und Zerstörung sowie Selbstbehauptung wichtige Bestandteile des (Über-)Lebens sind! usw.*

Der kurze Dialog zwischen Träumerin und Schwiegermutter lässt darauf schließen, dass die Unfähigkeit, den eigenen Raum einzunehmen mit dem Gefühl verknüpft ist, nicht für voll genommen zu werden (Schwiegermutter: *Das ist idiotisch!*. Außerdem sagt dieser Dialog auch, worauf das Aggressionsverhalten der Träumerin beruht: auf einem Spuk, einem Hirngespinst also (Träumerin: *Das ist ein Spuk!*). Vielleicht denkt sie zu viel daran, dass sie andere verletzen könnte, wenn sie sich behauptet und/oder Ihre Art, mit Aggression umzugehen, ist einem Denkmuster entsprungen, das sie sich irgendwann angeeignet hat. Möglicherweise einem ethisch-moralischen bzw. mit religiösen Vorstellungen verknüpften Denkmuster (da sich der Spuk in einer Kirche abspielt).

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